Was ist ein EBIT-Multiple?
Wenn M&A-Berater oder Käufer über den Wert eines Unternehmens sprechen, verwenden sie oft den Begriff «EBIT-Multiple». Das Konzept ist einfach:
Unternehmenswert (EV) = Normalisierter EBIT × Branchen-Multiple
Wenn ein Maschinenbaubetrieb einen normalisierten EBIT von CHF 500'000 erzielt und der Markt für diese Branche mit einem Multiple von 6× bewertet — dann beträgt der Enterprise Value CHF 3 Millionen.
Klingt einfach. Aber der Teufel steckt im Detail: Welches Multiple gilt für Ihre Branche? Und was genau ist der «normalisierte EBIT»?
Aktuelle EBIT-Multiples für Schweizer KMU (2025)
Die folgenden Multiples basieren auf beobachteten Transaktionen im Schweizer und DACH-Markt für KMU mit einem EV zwischen CHF 2–50 Mio. Die Spanne gibt den typischen Bereich an — der tatsächliche Multiple hängt von Unternehmensgrösse, Wachstum, Margen und anderen Faktoren ab.
Technologie & Dienstleistung
| Branche | Multiple (konservativ–optimistisch) | Treiber |
|---|---|---|
| IT / Software (SaaS, Lizenzen) | 8–15× | Wiederkehrende Umsätze, Skalierbarkeit |
| IT / Software (Projekte) | 5–9× | Projektabhängigkeit, Marge |
| Unternehmensberatung | 4–7× | Inhaberabhängigkeit, Personalbindung |
| Marketing / Kommunikation | 4–6× | Kundenkonzentration, Kreativleistung |
| Treuhand / Recht | 5–8× | Wiederkehrende Mandate, regulatorisch |
Industrie & Produktion
| Branche | Multiple (konservativ–optimistisch) | Treiber |
|---|---|---|
| Maschinenbau / Engineering | 5–8× | Auftragsbestand, IP |
| Metallverarbeitung | 4–6× | Kapitalintensität, Commodity-Exposure |
| Kunststoff / Chemie | 5–7× | Spezialisierung, Nischenprodukte |
| Pharmaindustrie / Medtech | 8–14× | IP, regulatorische Hürden |
| Nahrungsmittel / Getränke | 5–8× | Markenbekanntheit, Distribution |
| Textil / Mode | 3–5× | Modezyklus, Margendruck |
Handel & Distribution
| Branche | Multiple (konservativ–optimistisch) | Treiber |
|---|---|---|
| Grosshandel / Distribution | 4–6× | Kundenloyalität, Lagerumschlag |
| Detailhandel (stationär) | 3–5× | Lagebewertung, Online-Druck |
| E-Commerce | 5–10× | Wachstumsrate, Kundenbindung |
Bau & Handwerk
| Branche | Multiple (konservativ–optimistisch) | Treiber |
|---|---|---|
| Generalunternehmer / Bau | 3–5× | Auftragspipeline, Kapital |
| Haustechnik (HLKS) | 4–6× | Serviceanteil, Fachkräfte |
| Gartenbau / Landschaftsbau | 4–6× | Wiederkehrende Verträge |
| Reinigung / Facility | 4–6× | Langfristige Verträge |
Gesundheit & Gesellschaft
| Branche | Multiple (konservativ–optimistisch) | Treiber |
|---|---|---|
| Arztpraxis / Zahnarzt | 3–5× | Patientenstamm, Zulassung |
| Physiotherapie / Therapie | 3–5× | Personalbindung, Kapazität |
| Bildung / Weiterbildung | 4–7× | Zulassungen, Reputation |
| Pflegeheim / Spitex | 5–8× | Regulierung, Subventionen |
Gastgewerbe & Tourismus
| Branche | Multiple (konservativ–optimistisch) | Treiber |
|---|---|---|
| Restaurant / Café | 2–4× | Lagebewertung, Konzession |
| Hotel | 6–10× | Lage, Auslastung, Mietstruktur |
| Catering / Event | 3–5× | Vertragsbasis, Saison |
Was beeinflusst den Multiple innerhalb einer Branche?
Innerhalb derselben Branche kann der Multiple um den Faktor 2–3 variieren. Die wichtigsten Faktoren:
Nach oben (Multiple erhöht sich)
Wiederkehrende Umsätze: Langfristige Verträge, Abonnements und Wartungsverträge sind Gold wert. Ein Software-Unternehmen mit 80% ARR (Annual Recurring Revenue) wird höher bewertet als eines mit 80% Projektgeschäft.
Geringe Inhaberabhängigkeit: Wenn das Unternehmen ohne den Inhaber läuft — starkes Führungsteam, dokumentierte Prozesse — dann reduziert sich das Übergaberisiko massiv.
Wachstumstrend: Ein Unternehmen, das in den letzten 3 Jahren 10% p.a. gewachsen ist, wird höher bewertet als eines mit stagnierendem Umsatz.
Einzigartigkeit / IP: Patente, proprietäre Software, starke lokale Markenbekanntheit — all das erzeugt Preissetzungsmacht.
Diversifizierte Kundenbasis: Kein Einzelkunde über 15–20% des Umsatzes.
Nach unten (Multiple sinkt)
Inhaberabhängigkeit: Der häufigste Wertvernichter. Wenn 60% der Kundenbeziehungen durch den Inhaber laufen, schlägt sich das direkt im Multiple nieder.
Kundenkonzentration: Ein Grosskunde mit 40% Umsatzanteil — das ist ein Risiko, für das Käufer einen Abschlag verlangen.
Margendruck / sinkender EBIT-Trend: Wenn die Marge in den letzten 3 Jahren sinkt, fragen Käufer zurecht: «Warum?»
Kleingrösse: Unter CHF 300'000 EBIT sinken die Multiples drastisch — zu wenig institutionelle Käufer interessieren sich, zu viel Risiko für Finanzierungsbanken.
Branchen unter strukturellem Druck: Stationärer Einzelhandel, klassische Reisebüros, Print-Medien — struktureller Wandel wird in tieferen Multiples reflektiert.
Was ist «normalisierter EBIT»?
Der EBIT aus Ihrer Buchhaltung ist oft nicht der EBIT, den Käufer verwenden. Er muss «normalisiert» werden:
1. Unternehmerlohnkorrektur
Zahlen Sie sich CHF 80'000, obwohl ein marktüblicher CEO CHF 150'000 kosten würde? Dann wird der EBIT um CHF 70'000 nach unten korrigiert — der Käufer muss diesen Unterschied finanzieren.
Zahlen Sie sich CHF 250'000, obwohl ein externer Geschäftsführer CHF 150'000 kostet? Dann erhöht sich der normalisierte EBIT um CHF 100'000.
2. Einmalige Erträge und Aufwände
Ausserordentliche Erträge (Grundstücksverkauf, einmalige Subventionen) werden herausgerechnet. Einmalige Aufwände (Sanierungskosten, Rechtsstreit-Rückstellung) werden ebenfalls bereinigt.
3. Private Nutzungen
Privat genutztes Firmenfahrzeug, Wohnung über die Firma, private Versicherungen — alles wird aus dem EBIT herausnormalisiert.
4. Miete zu Nicht-Marktpreisen
Mieten Sie die Liegenschaft von sich selbst zu einem unüblichen Preis? Der Unterschied zum Marktpreis wird normalisiert.
Beispiel-Berechnung
Ausgangslage: - Umsatz CHF 3.5 Mio., Branche: IT-Consulting - EBIT laut Buchhaltung: CHF 280'000 - Unternehmerlohn: CHF 60'000 (Markt: CHF 160'000) → EBIT-Korrektur −CHF 100'000 - Einmaliger Grundstücksgewinn: CHF 40'000 → herausrechnen - Privatfahrzeug: CHF 15'000 → herausrechnen
Normalisierter EBIT: CHF 280'000 − 100'000 − 40'000 − 15'000 = CHF 125'000
Bewertung: CHF 125'000 × 5× (konservativ) bis 7× (optimistisch) = CHF 625'000 – 875'000
Ohne Normalisierung hätte man mit CHF 280'000 gerechnet und wäre auf CHF 1.4–2.0 Mio. gekommen — eine massive Überschätzung, die im M&A-Prozess auffällt und zu Vertrauensverlust führt.
Die Grössenprämie: Warum grössere Unternehmen mehr wert sind
Ein oft übersehener Effekt: Grössere KMU werden mit höheren Multiples bewertet als kleinere — selbst in derselben Branche.
| EBIT-Grössenklasse | Typischer Multiple-Aufschlag |
|---|---|
| unter CHF 200'000 | −1 bis −2× |
| CHF 200'000–500'000 | Basis |
| CHF 500'000–1 Mio. | +0.5 bis +1× |
| über CHF 1 Mio. | +1 bis +2× |
Warum? Grössere Unternehmen sind besser finanzierbar, attraktiver für institutionelle Käufer und haben meist eine robustere Managementstruktur.
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