Firmenverkauf: Ein Marathon, kein Sprint

Ein typischer Unternehmensverkauf in der Schweiz dauert 12 bis 24 Monate — von der ersten Bewertung bis zur Unterschrift beim Notar. Wer diesen Prozess kennt, kann ihn aktiv steuern und Fehler vermeiden, die Millionen kosten können.

Dieser Leitfaden führt Sie durch alle Phasen eines professionellen Firmenverkaufs.


Phase 1: Vorbereitung (3–6 Monate vor dem Prozess)

Bewertung und Wertsteigerung

Bevor Sie den Prozess starten, sollten Sie wissen, was Ihr Unternehmen wert ist — und was Sie tun können, um diesen Wert zu steigern.

Typische Massnahmen in dieser Phase: - Finanzdaten für die letzten 3–5 Jahre aufbereiten - «Normalisierten EBIT» berechnen (Unternehmerlohnkorrektur, Einmaleffekte) - Inhaberabhängigkeit reduzieren (Dokumentation, Delegation) - Langfristige Kundenverträge erneuern - Offene Rechtsstreitigkeiten klären

Faustregel: Jeder investierte Monat in die Vorbereitung kann den Verkaufserlös um 10–20% steigern.

Vertraulichkeit sicherstellen

Der Verkaufswunsch sollte zunächst nur einem engen Kreis bekannt sein. Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten dürfen erst im richtigen Moment informiert werden — zu früh führt zu Unsicherheit und Abgängen.


Phase 2: Der M&A-Prozess startet

Teaser und Information Memorandum

Ein professioneller M&A-Berater erstellt:

  1. Teaser (2 Seiten): Anonymisierte Zusammenfassung — wird potenziellen Käufern vor NDA-Unterzeichnung gezeigt
  2. Information Memorandum (IM, 30–80 Seiten): Vollständige Unternehmenspräsentation nach NDA-Unterzeichnung

Das IM enthält: Unternehmensgeschichte, Produkte/Dienstleistungen, Markt und Wettbewerb, Kundenbasis, Finanzhistorie und -prognosen, Management-Team, Transaktionstruktur.

Käuferidentifikation und -ansprache

Es gibt drei Käufertypen:

Käufertyp Motivation Preisbereitschaft
Strategischer Käufer Marktanteile, Synergien, Technologie Oft am höchsten
Private Equity / MBO Rendite, Hebelwirkung Mittel bis hoch
Privatperson / Unternehmer Selbstständigkeit, Projekt Variabel

Ein professioneller Berater hat eine Liste von 50–200 potenziellen Käufern, die er diskret kontaktiert.


Phase 3: Indikative Angebote und Due Diligence

Indikative Angebote (Non-Binding Offer, NBO)

Interessierte Käufer geben nach Sichtung des IM ein indikatives Angebot ab — eine Preisspanne plus erste Konditionen. Dies ist unverbindlich, gibt aber eine gute Einschätzung des Marktinteresses.

Typisch: 3–8 indikative Angebote, davon 2–4 weiterverfolgt.

Due Diligence (DD)

Die Due Diligence ist die gründlichste Prüfung Ihres Unternehmens. Käufer prüfen:

  • Finanziell: Historische P&L, Bilanz, Cash Flow, Steuern, Pensionskasse
  • Legal: Verträge, IP, Rechtsstreitigkeiten, Regulierung
  • Operativ: Kunden, Lieferanten, Prozesse, IT
  • HR: Schlüsselpersonen, Arbeitsverträge, Gesamtarbeitsverträge

Der Verkäufer stellt alle Dokumente in einem virtuellen Datenraum (z.B. Firmex, Intralinks) zur Verfügung.

Dauer: 4–8 Wochen


Phase 4: Verhandlung und Abschluss

Bindende Angebote (Binding Offer, BO)

Nach der DD geben 1–3 Käufer ein verbindliches Angebot ab. Jetzt beginnt die eigentliche Preisverhandlung — und zwar nicht nur über den Preis, sondern über die gesamte Transaktionsstruktur.

Transaktionsstruktur: Share Deal vs. Asset Deal

Share Deal: Käufer kauft alle Aktien/GmbH-Anteile. Einfacher steuerlich für den Verkäufer (Kapitalgewinn aus Privatvermögen oft steuerfrei), aber Käufer übernimmt alle latenten Risiken.

Asset Deal: Käufer kauft nur die Vermögenswerte des Unternehmens (Kundenverträge, Maschinen, Mitarbeiter). Steuerlich oft nachteilig für den Verkäufer, aber Käufer kann Buchwerte aufstocken.

Für Schweizer KMU gilt: Privatinhaber bevorzugen meist den Share Deal wegen der Steuerfreiheit des privaten Kapitalgewinns.

Earn-Out: Wenn Käufer und Verkäufer nicht einig sind

Ein Earn-Out ist eine erfolgsabhängige Kaufpreiszahlung: Ein Teil des Kaufpreises wird erst gezahlt, wenn das Unternehmen nach der Übernahme gewisse Ziele erreicht.

Beispiel: Kaufpreis CHF 5 Mio., davon CHF 1 Mio. als Earn-Out wenn Umsatzziel in Jahr 1+2 erreicht wird.

Earn-Outs lösen Bewertungsdifferenzen auf, sind aber komplex zu verhandeln und überwachen.


Phase 5: Closing und Übergabe

Notarakt

Bei Schweizer AG und GmbH ist die Übertragung der Anteile beurkundungspflichtig. Der Notarakt ist der formelle Abschluss der Transaktion.

Übergabephase (Transition)

Meist bleibt der bisherige Inhaber 6–24 Monate im Unternehmen, um das Wissen zu übertragen, Kunden zu übergeben und das Management zu unterstützen.


Häufige Fehler beim Firmenverkauf

  1. Zu späte Vorbereitung: Wer 12 Monate vor dem geplanten Verkauf startet, verschenkt Wertsteigerungspotenzial.
  2. Zu abhängig von einem Käufer: Immer mehrere Interessenten parallel führen — Wettbewerb treibt den Preis.
  3. Vertraulichkeitsbruch: Wenn Mitarbeiter oder Kunden zu früh informiert werden, kann der Wert massiv sinken.
  4. Keine professionelle Begleitung: M&A-Berater-Honorar (2–4% des Kaufpreises) zahlt sich durch höhere Preise und sicheren Prozess fast immer aus.
  5. Emotionale Entscheidungen: Der Preis ist nicht alles — Sicherheit für Mitarbeiter, kultureller Fit und Übergabebedingungen sind ebenso wichtig.

Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Der beste Zeitpunkt für einen Firmenverkauf ist, wenn: - Das Unternehmen auf einem Höchststand ist (nicht wenn Sie müde sind) - Sie noch 2–3 Jahre Zeit haben für eine vernünftige Übergabe - Der Markt und die Branche günstig bewertet werden - Sie persönlich bereit sind, loszulassen

Ein Tipp von erfahrenen M&A-Beratern: «Fangen Sie früher an als Sie denken. Die meisten Verkäufer starten 2–3 Jahre zu spät.»


Ihr erster Schritt: Kostenlose Bewertung

Bevor Sie einen Berater mandatieren, sollten Sie wissen, was Ihr Unternehmen wert ist. Remy erstellt in Minuten eine fundierte Erstbewertung — basierend auf Ihren echten Finanzdaten.

Kostenlos. Vertraulich. Unverbindlich.